Samstag, 17. März 2007

Seuchenalarm

Gestern morgen. Ich will gerade aufstehen, da schau ich zufällig auf meine Beine - macht man ja manchmal so. Aber diesmal muss ich ein zweites Mal hinsehen. Was ist das denn? Vorne auf meinem Oberschenkel befindet sich ein grosser roter Fleck, etwa 3 cm Durchmesser. Bei noch genauerem Hinsehen muss ich feststellen, dass sich in der Mitte von dem Fleck drei kleine Blasen befinden.
Komisches Teil, denk ich mir und mach erst mal Kaffee. Dann ab ins Bad.
Als ich in meine Hose hüpfen will: Schock! Die drei Bläschen sind zu einer grossen Blase geworden.
Ich sag vielleicht kurz dazu, dass ich sehr selten krank bin, aber wenn, dann hab ich immer Sachen, die sonst keiner hat. Eine Zwölffingerdarmentzündung etwa. Oder einmal hatte ich eine Entzündung, die wurde beim Blut abnehmen festgestellt. Ich war dann zehn Tage im Krankenhaus und bis zum Schluss konnten die Ärzte nicht feststellen, was eigentlich entzündet war bei mir. Oder die Rösschenflechte, der Gipfel der Eigenartigkeit und etwas, was man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünschen würde.
Jedenfalls war mir sofort klar: das Ding auf meinem Bein ist wieder irgend so eine komische Seuche, wie sie nur mir passieren kann.
Ich beschliesse mal bis Montag abzuwarten, was passiert. Aber nach einer halben Stunde schaue ich dann doch wieder nach, wie sich das Ding entwickelt. Ach du scheisse! Die Blase ist jetzt 2,5 cm lang und fingerdick. Mir wird schlecht. Ich ruf meinen Hausarzt an. Der hat Urlaub. Ich ruf den Hautarzt an. Der sagt: :"Kommen Sie doch am Dienstag vorbei." Ich befürchte, dass ich, wenn das in diesem Tempo weitergeht, am Dienstag eine einzige Blase sein werde. Ich rufe einen anderen Hautarzt an. Ich soll schnell vorbeikommen. Puuuh. Erleichterung.

Der Arzt sieht aus wie ein Schönheitschirurg aus einer Doku-Soap und staunt. "Was ist das denn komisches?" Ich krieg jetzt echt Angst. Dann meint er, dass das jedenfalls nichts Schlimmes ist. Obwohl: die Form des roten Flecks, also die ist schon seltsam. Hm.
Er fragt mich, was ich am Dienstag und am Mittwoch gemacht habe. Ob ich mit irgendetwas ungewöhnlichem in Kontakt war. Nö. Ich überlege krampfhaft. Am Mittwoch hatte ich Bauchweh, da hab ich gar nichts gemacht. Da bin ich früh ins Bett, mit der Wärmflasche.

"HA!", schreit Dr. Hautarzt. "Das ist es!" Ich starre ihn an. "Wollen Sie damit sagen, das ist eine Brandblase?" Ich spüre förmlich wie ich mich rot färbe. Er fragt mich, ob ich mit der Wärmflasche eingeschlafen bin. Ja, klar. Aber die war doch nicht so heiss. Er meint, das kann schon mal passieren, wenn man sehr lange mit dem Ding in Kontakt ist. Dann lacht er.
Wie peinlich! Ich entschuldige mich für den komischen Notfall und versichere ihm, dass ich sicher nicht gekommen wär, wenn ich gewusst hätte, dass das nur eine läppische Brandblase ist. Er winkt ab. "Konnten Sie ja nicht wissen."
Zum Abschied rät er mir, in Zukunft vorsichtiger mit Wärmflaschen zu sein.
Tja, manchmal hab ich auch "normale" Wehwechen. - grinst Mira Bellebaum und lässt die Sonne rein.

Mittwoch, 14. März 2007

Pop!

Music & Lyrics. Ich kann den Film nicht empfehlen. Aber das Musikvideo liebe ich! - schmunzelte Mira Bellenbaum und sprang in den Pyjama

Dienstag, 6. März 2007

Der Arzt, der niemals lachte…

… das ist mein Augenarzt Dr. Z.
Seit zwei Jahren kennen wir uns jetzt und er hat noch nie gelächelt, geschweige denn gelacht. Aber er ist ein guter Arzt und nicht jeder Mensch kann eine geborene Frohnatur sein, hab ich mir gedacht. Bis heute.

Nachdem ich sein Zimmer betreten und auf dem Augenstuhl Platz genommen hatte, spielte Dr. Z. erst mal 5 Minuten schweigend mit irgendwelchen piepsenden Geräten herum. Da er mich auch nicht begrüßt hatte fragte ich mich irgendwann, ob er überhaupt bemerkt hatte, dass ich im Zimmer war. Anscheinend. Denn schließlich wendete er sich mir zu und schüttelte mir die Hand.
Dann erblickte er mein T-Shirt und fragte: "Peas on earth? Hä?"
"Erbsen", erwiderte ich. "Peas sind Erbsen."

Und da passierte es! Dr. Z., der Arzt, der niemals lachte, brach in schallendes Gelächter aus. Und er konnte sich ziemlich lange nicht beruhigen. Er lachte sich – für seine Verhältnisse – regelrecht den A. ab. Es war wirklich schön mitanzusehen!

Als er ausgelacht hatte, erklärte ich ihm mein Kontaktlinsenproblem. Nämlich, dass meine Augen sich nach spätestens zwei Stunden entzünden und nach 4 Stunden der gelbe Schleim praktisch aus ihnen raustropft. Der gutgelaunte Dr. Z. schlug vor, dass ich jetzt mal andere Linsen probieren sollte. "Und wenn das nichts nützt, dann müssen wir Ihnen eben Jahreslinsen anfertigen, die an Ihre Hornhautverkrümmung angepasst werden." , meinte er.

"Was kosten die denn so?", fragte ich unsicher.

"Die rechte 120, die linke 170 Euro.", antwortete er.

"Nee, das kann ich mir nicht leisten. Echt nicht.", bedauerte ich.

"Ich weiß.", sagte Dr. Z. Und dann: "Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich komme Ihnen da schon entgegen."

Also da staunte ich nicht schlecht. Das ist ja mal wirklich nett. Wie ich ja bereits beim letzten Mal erwähnt habe, wird man als Student ab 26 Jahren in diesem Land in allen möglichen Bereichen etwas diskriminiert. Viele Studentenermäßigungen kann ich, weil älter, gar nicht nutzen und als Student ist hier auch nix mit Wohnbeihilfe.
Der Dr. Z. hat letztes Jahr mitgekriegt, dass ich zu studieren begonnen habe und war bloody beeindruckt von meiner Courage. "DAS find ich super!", hat er damals lobend gesagt.
Und ich finds super, dass es auch noch Ärzte gibt, die Menschlichkeit zeigen und für die die Kohle nicht das Wichtigste an ihrer Arbeit ist.

- freute sich Mira Bellenbaum und ging duschen.

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Samstag, 3. März 2007

Illegal unterwegs

In diesem Land werden alte Studenten, wie ich, bus- und bahntechnisch diskriminiert. Ich darf, weil ich über 26 Jahre alt bin, keine Studentenermäßigung in Anspruch nehmen. Ich weiß zwar nicht, wieso ich als alter Student mehr Geld haben soll, als ein junger, aber es ist nun mal so. Ich seh das nicht ein, drum nehm ich auch immer ein Studententicket.

Letztens fuhr ich mit meinem alten Freund S., Koch in der Mensa meiner FH, in Richtung Heimatstadt, um den Abschluss des Tages mit ein paar Drinks in einer netten Spelunke zu feiern.
Am Morgen war ich ausnahmsweise mit dem Zug gefahren statt mit dem Bus und ich hatte es ziemlich eilig gehabt. Da es im Automat kein Studententicket zu geben schien und ich ja weder Kind, noch Senior bin, hatte ich halt schnell ein sogenanntes Spezial-Ticket gekauft.
Auf dem Weg zum Zug erklärte ich S. mein Ticketdilemma. "Bist Du noch nie erwischt worden?", fragte er besorgt. "Da blechst Du ganz schön, wenn die dir da draufkommen!"
Ich erläuterte ihm meinen Plan, dass ich dann einfach so tu, als hätt ich das nicht gewusst, denn auf dem Ticket steht ja STUDENTEN-Ticket und da ich nun mal STUDENT bin, kann das ja nix Falsches sein. Außerdem mache ich das jetzt seit Studienbeginn, immerhin schon ein halbes Jahr, und ich bin noch nie kontrolliert worden.

Kaum hatten wir uns in den Zug gesetzt, tauchte auch schon ein Schaffner auf. Es gibt also doch noch welche! Vor lauter Schock fand ich das Ticket nicht auf Anhieb. Als ich es endlich aus der Survivalausrüstung in meiner Jackentasche hervorgekramt hatte, setzte ich mein normalstes Gesicht auf und reichte es dem Schaffner. Der warf einen Blick drauf und sah mich dann von oben bis unten an. Dann meinte er: "Wieso ein Spezial-Ticket?"
Ich: "Ja, weil ich doch Studentin bin."
Schaffner: "Na ja, aber Spezialtickets sind für Blinde und Invalide, gute Frau."
Betretenes Schweigen.
Darauf versuchte S. die Situation zu entschärfen und sagte: "Sie ist eh blind."
S. und der Schaffner lachten sich kurz einen ab, dann sagte der Schaffner: "Sie müssen ein Junior-Ticket kaufen."
Ich: "Ist das teurer? Wie machen wir das denn jetzt? Passt das, wenn ich jetzt einfach was draufzahle?"
Schaffner: "Ja, das ist ein bisschen teurer. Geben Sie mir mal Ihren Studentenausweis!"
Während mir der Schweiß ausbrach, sah ich aus dem Augenwinkel den gespannten Gesichtsausdruck von S. Ich reichte dem Schaffner meinen Ausweis, auf dem natürlich mein Geburtsdatum draufsteht.
Der Schaffner betrachtete ihn prüfend. Dann machte er ein besonders strenges Gesicht und gab ihn mir zurück mit den Worten: "Nächstes Mal kaufen sie halt ein Junior-Ticket." Zwinker, Zwinker.

Der Schaffner ging weiter und S. war sprachlos. Dann sagte er: "Nächstes Mal erwischt Dich eine FRAU und dann zahlst Du Länge mal Breite!"

Wo ist eigentlich mein Tabak?

- fragte Mira Bellenbaum und machte sich auf die Suche.

Dienstag, 27. Februar 2007

Groupie Reincarnated

Mir gefallen Männer mit grossen Händen und Schwielen, denen man ansieht, dass sie auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können und nicht solche, wie der Mann meiner Kusine, der einmal meinen Onkel gebeten hat, ein Loch in die Wand zu bohren, weil er Angst hatte, dass ihm der Bohrer ins Aug spicken könnte.
Mir gefallen Männer mit Bauch. Grosse, breite Typen, in die man sich einwickeln kann wenns kalt ist oder wenn die Welt da draussen gemein zu einem war. Mir gefallen ungestylte Männer. Mir gefallen meistens unscheinbare Männer, die sonst eher übersehen werden. Meine Freundinnen und ich, wir kommen uns in puncto Männer jedenfalls nicht in die Quere.
Mir gefallen Männer, die mir eigentlich nicht gefallen würden, dann, wenn sie eine Stimme haben, die mich umhaut. Oder wenn ich in ihre Haare greifen möchte. Oder wenn sie gestreifte T-Shirts tragen.

Oder wenn sie Musiker sind. Da treten alle meine sonst gültigen "Regeln" ausser Kraft. Das ist entweder das Groupie-Gen aus einem früheren Leben oder eine weitverbreitete Frauenkrankheit. Männer mit Gitarren sind scharf. Nicht alle natürlich. Aber viele. Was ich gestern bei einem Konzertbesuch wieder feststellen musste.
Der Gitarrist der Vorgruppe liebte seine Gitarre so offensichtlich, dass ich nicht anders konnte, als ebendiese Gitarre sein zu wollen und mit offenem Mund der Musik selber wenig Beachtung zu schenken. Und das, obwohl der gute Mann - bis auf seine Arme - sehr dünn und zebrechlich wirkte und außerdem von der zu jungen Sorte war. Aber die Art, wie er sich um sein Instrument krümmte, mit geschlossenen Augen, kaum merklich mit der Musik schwingend, so abwesend und doch so präsent, das hat mir kalte Schauder über den Rücken gejagt.

Inmitten des Auftritts der Hauptgruppe brüllte mir mein Begleiter O. ins mit Klopapierfetzen notdürftig geschützte rechte Ohr: "Na, das ist ja mal wieder einer für Dich, der Sänger. Auch so eine wandelnde Drogenleiche." Damit spielte er auf eine Begebenheit im letzten August an, als ich extra nach London gefahren war, um den von mir heiss verehrten Peter Doherty samt Babyshambles live zu erleben. Ich hatte es irgendwie geschafft, mich bis fast ganz nach vorne durchzukämpfen und stand eingequetscht und glücklich in der dritten Reihe. Das Ganze war noch viel überwältigender als ich mir das vorgestellt hatte und das war wohl auch der Grund, wieso ich ihm voller Leidenschaft ein, in diesem Augenblick durchaus ernst gemeintes, "Heirate mich!" zurief.

Was ist bloss dran an Männern mit Gitarren? Frauen, geht es Euch auch so?

- fragte Mira Bellenbaum und griff nach dem Kaffeeheferl

Montag, 26. Februar 2007

Der Hang zum Verhängnis

In meiner alten Wohnung auf dem Klo, da hatte ich ein Jahreshoroskop aus einer Zeitschrift hängen, das mich jeden Tag daran erinnerte, dass manche Dinge einfach sind, wie sie sind und nicht zu ändern.

"Es ist an der Zeit einzusehen, dass Sie an anderen am meisten deren Fehler faszinieren. Sie lieben Kriminelle, Rauschgiftsüchtige, Poeten, Dramatiker, arbeitslose Schauspieler, Spielsüchtige und Männer, die entweder zu jung für Sie, oder nicht annähernd klug genug für Sie sind. Gewöhnen Sie Sich daran!"

So war das auch immer. Mal sehn… Da war der manisch-depressive Drogenliebhaber, dann der nicht allzu kluge, aber sehr liebenswerte Romantiker, dann der impotente Schönling, anschließend der selbstmordgefährdete Künstler, danach der notorische Lügner, dann der vormals drogensüchtige Einbrecher und schließlich Inhaftierte Charmeur mit ausgeprägter Persönlichkeitsstörung und schließlich der sehr junge langzeitarbeitslose Träumer mit Alkoholproblem.

Verliebt war ich außerdem in einen sehr kaputten und sehr erotischen Mann mit grüner Haut, in einen toten Rockstar und in einen nordirischen Schläger mit Hang zur Selbstverstümmelung.

Jetzt bitte nicht falsch verstehen, ich hab sie alle geliebt auch wenns nicht immer leicht war.

Trotzdem: ich hätt gern mal einen unanstrengenden Mann. Und selbst wenn es wirklich so ist, wie es ist und war, es wär doch möglich, dass mir auch mal das halbwegs gesunde Mittelmaß über den Weg läuft, oder?

Jedenfalls lass ich meine verworrenen Gedanken ab heute an Euch aus, wenn's recht ist.

– sprach Mira Bellenbaum und zündete sich eine Zigarette an…

Coffee&Cigarettes

Räum Deinen Kopf auf…

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