Musik

Mittwoch, 1. August 2007

When you grow up, do you want to be a Libertine?

Ich bin zuständig für die Befüllung des iPods meines 10-jährigen Patenkindes und ich bin ja immer versucht, sie - auch gegen ihren Willen - für Neues zu begeistern und ihren musikalischen Horizont zu erweitern. Das klappt auch ganz gut. Im großen und Ganzen haben ihre Mutter und ich sie schon auf einen ziemlich guten Musikgeschmack getrimmt - für ihr Alter zumindest.

Bis auf die unvermeidliche Christina Stürmer, die Pussycat Dolls und den obligatorischen Kiddy-Contest-Müll ist eh das meiste gut zu gebrauchen.

"Hast Du nicht "Die Eine 2005?", fragt sie mich letztens.
"Nein. Hab ich leider nicht.", sag ich.
"Aber das hast du mir doch mal auf meine Weihnachts-CD gebrannt. Da hattest du's doch auch!"
"Ja, aber das hab ich gleich danach gelöscht."
"Warum denn?"
"Mir hat das einfach nicht so gut gefallen."
"Hä? Wieso? Das ist doch voll cool!"

Ich werfe, ohne dass sie es merkt, ein paar Sachen nach meinem Geschmack in ihre Playlist. Dann arbeiten wir den Rest ihrer Wunschliste ab.

"Was willst Du denn sonst noch drauf haben?", frage ich.
"Was wo eine Frau singt. Ich mags lieber, wenn eine Frau singt."
"Frauen … Hmmm… Da hab ich leider nicht so viel."
"Wieso denn?"
Gute Frage. "Keine Ahnung. Wahrscheinlich mag ich's lieber, wenn ein Mann singt."

Sie schüttelt erwachsen den Kopf und verdreht die Augen: "Ja, ja. Der Pete, ha?"
"Ja, der auch.", lache ich.
"Da hab ich was von Seether. Da singt zumindest eine Frau mit. Gefällt Dir das?"
Sie hört aufmerksam zu. "Ja, ok."

"Oder das da? Portishead."
"Nein. Ist ja voll traurig."
"Aber schön!"
"Ts…"
"Das hier heisst Angel, Massive Attack. Und?"
"Ja."
"Ist aber doch auch traurig!"
"Ja, aber das ist schön."
"OK."


Dann geb ich's doch noch zu: "Du, ich hab dir noch zwei sehr coole Lieder drauf getan. Singt aber ein Mann."
Erst ein fragender Blick, dann plötzlich die Erkenntnis und eine gerümpfte Nase. "Sicher vom Pete, oder?" Manchmal spricht sie mit mir wie eine Mutter mit ihrem Kind.
"Ja. Aber die sind von der Band, in der der Pete früher war. Die gibts leider nicht mehr."
Sie stöhnt: "Aber das gefällt mir sicher nicht."
"Das gilt nicht! Das ist bei der Musik wie mit dem Essen.", sag ich. "Bevor du's nicht probiert hast, darfst du nicht sagen, dass es nicht schmeckt. Hör dir die Lieder 3x an und wenn sie dir dann immer noch nicht gefallen, dann lösch ich sie wieder weg. Ok?"
Sie gibt auf. Grinst. "Aber der Pete ist eklig."
"Da singt ja auch noch der Carl mit."
"Wer ist der Carl?"

Ich zeig ihr ein Foto. Pete und Carl teilen sich ein Mikro und sehen sich intensiv in die Augen.

"Sind die schwul?" Entrüstung.
"Wahrscheinlich nicht.", sage ich mit Bedauern in der Stimme und suche ein Bild von Carl - ohne Pete.

"Schau!", sage ich. "Der ist doch nicht eklig, oder?"
Sie kneift kritisch die Augen zusammen und meint: "Na besser als der Pete jedenfalls."

Sie zieht ab mit ihrem kleinen Shuffle und ich frag mich, ob ich es jemals schaffen werde, sie zu einem echten Libertines-Fan zu machen.
Aber selbst wenn nicht - eine Zehnjährige, die Jeff Buckley cool findet, ist ja auch schon mal gar nicht übel.

- denkt Mira Bellenbam mit stolz geschwellter Brust und öffnet zur Feier des lauen Abends ein Bier

Samstag, 2. Juni 2007

Einfach… Rainald

Ach wie schön! :-)

Samstag, 14. April 2007

Jetzt kann ich in Frieden sterben…

… jubelte Mira Bellenbaum und freute sich einen ab.

Einer der besten Tage meines Lebens. Ich hab geweint. Pete & Carl reunited.

hug

Samstag, 31. März 2007

Da ist immer ein Tunnel…

…am Ende des Lichts. Heute: Die Aeronauten.
@superflokati: Diesmal wars der Bassist :)

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Dienstag, 27. Februar 2007

Groupie Reincarnated

Mir gefallen Männer mit grossen Händen und Schwielen, denen man ansieht, dass sie auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können und nicht solche, wie der Mann meiner Kusine, der einmal meinen Onkel gebeten hat, ein Loch in die Wand zu bohren, weil er Angst hatte, dass ihm der Bohrer ins Aug spicken könnte.
Mir gefallen Männer mit Bauch. Grosse, breite Typen, in die man sich einwickeln kann wenns kalt ist oder wenn die Welt da draussen gemein zu einem war. Mir gefallen ungestylte Männer. Mir gefallen meistens unscheinbare Männer, die sonst eher übersehen werden. Meine Freundinnen und ich, wir kommen uns in puncto Männer jedenfalls nicht in die Quere.
Mir gefallen Männer, die mir eigentlich nicht gefallen würden, dann, wenn sie eine Stimme haben, die mich umhaut. Oder wenn ich in ihre Haare greifen möchte. Oder wenn sie gestreifte T-Shirts tragen.

Oder wenn sie Musiker sind. Da treten alle meine sonst gültigen "Regeln" ausser Kraft. Das ist entweder das Groupie-Gen aus einem früheren Leben oder eine weitverbreitete Frauenkrankheit. Männer mit Gitarren sind scharf. Nicht alle natürlich. Aber viele. Was ich gestern bei einem Konzertbesuch wieder feststellen musste.
Der Gitarrist der Vorgruppe liebte seine Gitarre so offensichtlich, dass ich nicht anders konnte, als ebendiese Gitarre sein zu wollen und mit offenem Mund der Musik selber wenig Beachtung zu schenken. Und das, obwohl der gute Mann - bis auf seine Arme - sehr dünn und zebrechlich wirkte und außerdem von der zu jungen Sorte war. Aber die Art, wie er sich um sein Instrument krümmte, mit geschlossenen Augen, kaum merklich mit der Musik schwingend, so abwesend und doch so präsent, das hat mir kalte Schauder über den Rücken gejagt.

Inmitten des Auftritts der Hauptgruppe brüllte mir mein Begleiter O. ins mit Klopapierfetzen notdürftig geschützte rechte Ohr: "Na, das ist ja mal wieder einer für Dich, der Sänger. Auch so eine wandelnde Drogenleiche." Damit spielte er auf eine Begebenheit im letzten August an, als ich extra nach London gefahren war, um den von mir heiss verehrten Peter Doherty samt Babyshambles live zu erleben. Ich hatte es irgendwie geschafft, mich bis fast ganz nach vorne durchzukämpfen und stand eingequetscht und glücklich in der dritten Reihe. Das Ganze war noch viel überwältigender als ich mir das vorgestellt hatte und das war wohl auch der Grund, wieso ich ihm voller Leidenschaft ein, in diesem Augenblick durchaus ernst gemeintes, "Heirate mich!" zurief.

Was ist bloss dran an Männern mit Gitarren? Frauen, geht es Euch auch so?

- fragte Mira Bellenbaum und griff nach dem Kaffeeheferl

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