Dienstag, 27. Februar 2007

Groupie Reincarnated

Mir gefallen Männer mit grossen Händen und Schwielen, denen man ansieht, dass sie auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können und nicht solche, wie der Mann meiner Kusine, der einmal meinen Onkel gebeten hat, ein Loch in die Wand zu bohren, weil er Angst hatte, dass ihm der Bohrer ins Aug spicken könnte.
Mir gefallen Männer mit Bauch. Grosse, breite Typen, in die man sich einwickeln kann wenns kalt ist oder wenn die Welt da draussen gemein zu einem war. Mir gefallen ungestylte Männer. Mir gefallen meistens unscheinbare Männer, die sonst eher übersehen werden. Meine Freundinnen und ich, wir kommen uns in puncto Männer jedenfalls nicht in die Quere.
Mir gefallen Männer, die mir eigentlich nicht gefallen würden, dann, wenn sie eine Stimme haben, die mich umhaut. Oder wenn ich in ihre Haare greifen möchte. Oder wenn sie gestreifte T-Shirts tragen.

Oder wenn sie Musiker sind. Da treten alle meine sonst gültigen "Regeln" ausser Kraft. Das ist entweder das Groupie-Gen aus einem früheren Leben oder eine weitverbreitete Frauenkrankheit. Männer mit Gitarren sind scharf. Nicht alle natürlich. Aber viele. Was ich gestern bei einem Konzertbesuch wieder feststellen musste.
Der Gitarrist der Vorgruppe liebte seine Gitarre so offensichtlich, dass ich nicht anders konnte, als ebendiese Gitarre sein zu wollen und mit offenem Mund der Musik selber wenig Beachtung zu schenken. Und das, obwohl der gute Mann - bis auf seine Arme - sehr dünn und zebrechlich wirkte und außerdem von der zu jungen Sorte war. Aber die Art, wie er sich um sein Instrument krümmte, mit geschlossenen Augen, kaum merklich mit der Musik schwingend, so abwesend und doch so präsent, das hat mir kalte Schauder über den Rücken gejagt.

Inmitten des Auftritts der Hauptgruppe brüllte mir mein Begleiter O. ins mit Klopapierfetzen notdürftig geschützte rechte Ohr: "Na, das ist ja mal wieder einer für Dich, der Sänger. Auch so eine wandelnde Drogenleiche." Damit spielte er auf eine Begebenheit im letzten August an, als ich extra nach London gefahren war, um den von mir heiss verehrten Peter Doherty samt Babyshambles live zu erleben. Ich hatte es irgendwie geschafft, mich bis fast ganz nach vorne durchzukämpfen und stand eingequetscht und glücklich in der dritten Reihe. Das Ganze war noch viel überwältigender als ich mir das vorgestellt hatte und das war wohl auch der Grund, wieso ich ihm voller Leidenschaft ein, in diesem Augenblick durchaus ernst gemeintes, "Heirate mich!" zurief.

Was ist bloss dran an Männern mit Gitarren? Frauen, geht es Euch auch so?

- fragte Mira Bellenbaum und griff nach dem Kaffeeheferl

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