Das ist ja lieb!

Montag, 23. Juli 2007

Schon GEZahlt?

Sommer 2001.
Ich hab geduscht, weil ich das öfters tue, und mein Ex-Arbeitskollege Marcello ist vor meinem Fernseher gesessen und hat sich die Nachrichten angesehen. Ich hab schon gehört, dass es geläutet hat, aber ich hab mir gedacht, dass der Marcello eh weiß, wie man eine Tür aufmacht. Hat er nicht. Ich hab mich also, tropfnass wie ich gewesen bin, in die Klamotten reinkämpfen müssen und bin runtergerannt, um aufzumachen.
Nach 3 Tagen Hitze ist grad ein wunderschönes Sommergewitter gewesen. Die Tropfen sind so groß gewesen wie Tennisbälle und warm und es hat gerochen, wie in den Sommern als ich noch laaaange Ferien hatte und immer nur barfuss gegangen bin.
Und da ist eine Frau vor der Tür gestanden, genauso tropfnass wie ich, die hat gelächelt und mir einen Ausweis vors Gesicht gehalten. Von der Radio- und Rundfunkgebührenstelle sei sie, hat sie gesagt. Und ob ihre Information schon stimmen kann, dass ich die Einzige im Haus bin, die keinen Fernseher hat, weil sonst sind alle schon angemeldet.
Also, das war jetzt schon blöd, weil einen Fernseher hab ich schon gehabt, seit längerem nämlich und in letzter Zeit hab ich oft umschalten müssen, weil’s da so eine Werbung gegeben hat wegen dem Fernseher-Anmelden. Da hat der Fernseher mit dir gesprochen und gefragt, ob du ihn schon angemeldet hast und dann hat er sich als Mikrowelle getarnt, damit ihn die Kontrollleute nicht erkennen. Aber das hab ich blöderweise nicht auf Video aufgezeichnet und ich hab mir schon gedacht, dass die Frau gleich merken wird, dass das ein Fernseher ist, weil wer hat schon eine Mikrowelle im Schlafzimmer stehen? Auf jeden Fall hab ich bei dieser Werbung immer ein schlechtes Gewissen gehabt. Ich hab nämlich auch drauf spekuliert, dass die nur behaupten, dass sie das kontrollieren, damit die Leute Angst kriegen und gleich von selber den Zettel ausfüllen. Aber jetzt ist die Frau vor mir gestanden und hat ganz real getropft und hat mir den Ausweis hingehalten und ich hab mir gedacht, au weh, jetzt bist Du dran, Mira_Bellenbaum.

Ich hab ja was sagen müssen und ich hab dann gesagt, ja, also ich hab eigentlich schon einen Fernseher. Ich hätt die Frau nicht anlügen können. Erstens mag ich die Lügerei nicht und zweitens hat die Frau so nett ausgeschaut.
Ob ich den nicht angemeldet hab, hat die Frau gefragt.
Nein, da bin ich noch nicht dazugekommen hab ich gesagt, weil das ja irgendwie gestimmt hat.
Ja, dann sollten wir wohl einen Zettel ausfüllen, hat sie gesagt.
Ich glaub ich hab wie ein geprügelter Hund ausgesehen. Ganz mitleidig hat die Frau geschaut. Die Frau hat sich auf den guten Stuhl in der Küche gesetzt und hat mich gefragt, wie lange ich den Fernseher denn schon hab. Schon länger, aber wissen Sie, ich hab grad einen neuen Mitbewohner gekriegt und da ist alles ein bisschen drunter und drüber gegangen und wir haben uns das noch ausmachen wollen, wissen Sie, hab ich ganz ausführlich erklärt.
Ja dann, hat die Kontrollfrau gesagt und geseufzt, ich schreib halt mal Mai 2001 hin, da müssen sie halt ein bisschen was nachzahlen. Ich hab ein bisschen aufgeatmet.
Da haben Sie aber Glück dass ich so eine Nette bin, hat sie gemeint und ich hab genickt wie eine Blöde. Haben Sie nicht gewusst dass man da was zahlen muss, hat sie gefragt.
Ich hab herumgedruckst und die Frau hat sich wahrscheinlich gedacht, dass ich nicht ganz dicht bin und dass man das drum nicht so eng sehen darf,weil sie hat dann gesagt, dass das normalerweise 30.000 Schilling kosten täte plus Nachzahlung und das wäre schon teuer und ich hab eh nie ein Geld und ich muss eh schon wutzeln, weil ich mir die Tschicks nicht mehr leisten kann.
Ich hab dann vor lauter Schock nicht mal mehr meine neue Telefonnummer auswendig gewusst, aber da wars eh schon soweit, dass die Frau nichts mehr überraschen hat können.
Am Schluß hat sie mich getröstet und hat gesagt, dass sie ein gutes Herz hat und verständnisvoll ist sie auch, weil das ist ihr selber mal passiert und drum ist es nicht so schlimm, das mit der Anmeldung.

Wir haben uns dann ganz nett verabschiedet. Finden Sie nicht dass es heute ganz wunderbar nach nassem Sommer-Asphalt riecht, hat die Kontrollfrau gefragt. Ja, hab ich gesagt, wie früher.

Samstag, 12. Mai 2007

Mopedfahren ist gefährlich

Letzte Woche, an dem Tag, als es zum ersten Mal nach ziemlich langer Zeit geregnet hat und sich das bisschen Regen mit dem überall herumliegenden Blütenstaub zu einem unfassbar glitschigen Film vermischt hatte, hat das mit dem Lässig-in-die-Kurve-legen nicht so geklappt.
Ich kann mich nicht mal erinnern, wie ich gerutscht bin. Ich lag schon auf der Straße, bevor ich merkte, dass ich kein Moped mehr unterm Hintern hatte.

Dazu muss ich sagen, ich bin ja letztes Jahr von einem Auto angefahren worden. Da war ich mit dem Fahrrad unterwegs. Und damals sah ich das Auto auf mich zukommen. Obwohl das Ganze innerhalb von 4-5 Sekunden vorbei war, hatte ich massig Zeit, mir 1000 unwichtige Gedanken zu machen - über das ironischerweise wie die Faust aufs Auge passende Lied von The Mars Volta aus meinen Kopfhörern, über die Automarke, über den Bart des Fahrers, den ich betrachtete, als ich mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe knallte, über mein Fahrrad, darüber ob ich alles richtig gemacht hatte und zum Schluß, als ich auf der Straße lag und ein Autoreifen sich scheinbar unaufhaltsam meinem Gesicht näherte, darüber, dass es wohl besser war, die Kopfhörer von meinem iPod in meiner Tasche zu verstauen, damit man mich nicht deswegen für den Unfall verantwortlich machen konnte.

Aber dieses Mal ging alles viel schneller. Die unwichtigen Gedanken waren trotzdem wieder zur Stelle. Aber als es vorbei war: Oh nein, jetzt ist das schöne, alte Moped zerkratzt! Oh mein Gott, hoffentlich ist dem MacBook in meiner Tasche nix passiert! Hab ich die geliehene Regenjacke schmutzig oder gar kapputt gemacht? Oh, mein Knie tut weh!
Vom gegenüberliegenden Spielplatz rannte ein Junge, ca. 10 Jahre alt, auf mich zu und rief: "Ist Ihnen was passiert? Geht's Ihnen gut?" Der siezt mich?, dachte ich. Jetzt werd ich wohl echt langsam alt.
"Alles ok.", sagte ich. Und er fragte: "Aber was ist mit ihrem Fuß?"
Ich krempelte die Hose rauf und zeigte ihm mein Knie. Es wurde langsam violett, sah aber nicht weiter schlimm aus. Er sah nicht überzeugt aus. "Mal sehn, ob das Moped noch läuft.", meinte ich und er antwortete fachmännisch: "Klar läuft das. Aber Sie dürfen nicht mit der Vorderbremse bremsen, das ist viel zu gefährlich!" Tja, was soll ich sagen, der Kleine hatte natürlich recht. Ich war einfach unkonzentriert gefahren. Ich lächelte ihn an und bedankte mich für seine Hilfe und dafür, dass er so lieb gewesen war. Dann fuhr ich heim. Auf dem Weg merkte ich, dass mein Fuß schmerzte und als ich runterschaute, sah ich das Blut aus dem Schuh tropfen.
Also ich kann Euch nur sagen: es ist wahr! Mit Flip-Flops Moped fahren ist nicht so gut. Mein Fuß sah aus, als hätte ich ihn mit einer Käsereibe bearbeitet. Und das tut bis heute saumäßig weh. Schuhe sind im Moment meine Feinde.
Ja, ich pass in Zukunft wieder besser auf mich auf

-versprach Mira Bellenbaum und hinkte zum Kühlschrank.

Dienstag, 6. März 2007

Der Arzt, der niemals lachte…

… das ist mein Augenarzt Dr. Z.
Seit zwei Jahren kennen wir uns jetzt und er hat noch nie gelächelt, geschweige denn gelacht. Aber er ist ein guter Arzt und nicht jeder Mensch kann eine geborene Frohnatur sein, hab ich mir gedacht. Bis heute.

Nachdem ich sein Zimmer betreten und auf dem Augenstuhl Platz genommen hatte, spielte Dr. Z. erst mal 5 Minuten schweigend mit irgendwelchen piepsenden Geräten herum. Da er mich auch nicht begrüßt hatte fragte ich mich irgendwann, ob er überhaupt bemerkt hatte, dass ich im Zimmer war. Anscheinend. Denn schließlich wendete er sich mir zu und schüttelte mir die Hand.
Dann erblickte er mein T-Shirt und fragte: "Peas on earth? Hä?"
"Erbsen", erwiderte ich. "Peas sind Erbsen."

Und da passierte es! Dr. Z., der Arzt, der niemals lachte, brach in schallendes Gelächter aus. Und er konnte sich ziemlich lange nicht beruhigen. Er lachte sich – für seine Verhältnisse – regelrecht den A. ab. Es war wirklich schön mitanzusehen!

Als er ausgelacht hatte, erklärte ich ihm mein Kontaktlinsenproblem. Nämlich, dass meine Augen sich nach spätestens zwei Stunden entzünden und nach 4 Stunden der gelbe Schleim praktisch aus ihnen raustropft. Der gutgelaunte Dr. Z. schlug vor, dass ich jetzt mal andere Linsen probieren sollte. "Und wenn das nichts nützt, dann müssen wir Ihnen eben Jahreslinsen anfertigen, die an Ihre Hornhautverkrümmung angepasst werden." , meinte er.

"Was kosten die denn so?", fragte ich unsicher.

"Die rechte 120, die linke 170 Euro.", antwortete er.

"Nee, das kann ich mir nicht leisten. Echt nicht.", bedauerte ich.

"Ich weiß.", sagte Dr. Z. Und dann: "Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich komme Ihnen da schon entgegen."

Also da staunte ich nicht schlecht. Das ist ja mal wirklich nett. Wie ich ja bereits beim letzten Mal erwähnt habe, wird man als Student ab 26 Jahren in diesem Land in allen möglichen Bereichen etwas diskriminiert. Viele Studentenermäßigungen kann ich, weil älter, gar nicht nutzen und als Student ist hier auch nix mit Wohnbeihilfe.
Der Dr. Z. hat letztes Jahr mitgekriegt, dass ich zu studieren begonnen habe und war bloody beeindruckt von meiner Courage. "DAS find ich super!", hat er damals lobend gesagt.
Und ich finds super, dass es auch noch Ärzte gibt, die Menschlichkeit zeigen und für die die Kohle nicht das Wichtigste an ihrer Arbeit ist.

- freute sich Mira Bellenbaum und ging duschen.

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